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Die Beemster in großen Zügen

emster

Illustrierung: W.A. Porte 

Text: Cor und Koosje Franken

Quelle:

Jacob Bouman: Bedijking, opkomst en bloei van de Beemster und Gr

und Grootvaders memorieboek

Joop Witvoet: Waterland

Übersetzung: Hanneke Franken

Redaktion und Photographie

Erny van der Kleut  

 

 

 

Wasserland
Zwischen Amsterdam und Alkmaar, Zaanstreek und IJselmeer liegt von alters her ein Gebiet von Seen, Flüssen und Sümpfen: Waterland (Wasserland). Man könnte sich keinen besseren Namen ausdenken. Bis zum siebten Jahrhundert flossen in diesemGebiet einige Flüsse, unter anderem die Bamestra. Durch die ständige Erosion der Moorufer wurde dieser Fluß ein See. Man nannte den See nacheinander: Bamestra, Baamstria, Bamester, Bemster, Biemster und Beemster.

Nach Jahrhunderten von Kampf liegen Land und Wasser in friedlicher Harmonie neben einander. Die stolzen Haubargbauernhöfe, die schwungvollen Häuschen und die Deiche, die Wasser und Land trennen, verraten wenig von dem grimmigen Kampf, den der Mensch hier gegen die Elemente lieferte.

Die Allerheiligenflut

Die Allerheiligenflut am 1. November 1170 brachte deutlich ans Licht, daß die Erosion der Seeufer eine ständige Bedrohung war. Bereits im Jahr 1570 scheint man Pläne gemacht zu haben, die Beemster einzudeichen. Im Jahre 1592 empfingen die Staaten von Holland und West-Friesland einen Antrag, auf Erlaubnis zum Eindeichen. Im Jahre 1597 wurde das erste Patent erteilt. Zur Ausführung kam es jedoch nicht. 

Die Trockenlegung der Beemster 

Nach der Eroberung von Antwerpen durch die Armeen des Herzoges von Parma, flohen viele Menschen nach Amsterdam, unter anderem der reiche Kaufmann Dirck van Oss. Dort zeigte er wiederum seinen Unternehmungs­geist und beteiligte sich an der Verenigde Oostindische Compagnie (Vereinigten Ostindischen Kompagnie). Er verdiente damit viel Geld, das er gewinnbringend anlegen wollte. Es gab damals viele Nachfragen nach gutem Kulturboden. Einige kleine Seen rund um Alkmaar waren schon entwässert, aber mit der tiefen Beemster, Schermer und Purmer wagte man, wegen der mangelhaften Hilfsmittel, nicht zu beginnen.  

Als die achtseitige Windmühle entworfen war, war man weniger abhängig von der Windrichtung. Diese Mühle brauchte nur mit dem Dach auf dem Wind gesetzt zu werden. Es gab mehrere Mühlenerbauer, die verschiedene Systeme ausdachten, wie Abführen mit auf- und absteigenden Kästen, Aufwinden und Pendeln des Wassers. Eine andere Erfindung konnte mit ausgehöhlten Pumpen das Wasser hochführen. Eine Kommission untersuchte die Möglichkeiten. Man wählte die achtseitige Windmühle. Jan Adriaansz. Leeghwater aus De Rijp wurde gebeten, die Entwässerung der Beemster zu führen.  De Rijp

Schon bald konnte man in allen Städten von Holland und West-Friesland lesen, daß jeder Mühlenerbauer, der mitarbeiten möchte, die Beemster mit den achtseitigen Mühlen zu entwässern, zum Gasthof 'De drie Morianen' in Amsterdam gehen mußte. Noch bevor andere Erbauer die Chance hatten, gingen Pieter Claesz. aus Graft und Pieter Pietersz. aus De Rijp zur Versammlung der Oberdeichgenos­sen mit dem Angebot für NLG 127.000 die ganze Beemster zu entwässern und ein Jahr, mit sechszehn Mühlen trocken zu halten. Die Initiatoren der Entwässerung stimmten dem Angebot zu. Für den zukünftigen Polder wurde ein Vorstand gegründet, der aus einem Deichgraf und den Oberdeichgenossenbestand. Oberdeichgenossen waren die reichen Kaufmänner, die mit Dirck van Oss die Entwässerung beantragten.  

Am 9. Mai 1607 wurde beim Ratspensionär Johan van Oldenbarneveldt, der Antrag eingereicht, die Beemster einzudeichen. Schon am 21.Mai 1607 wurde die Genehmigung erteilt. Die Arbeit konnte beginnen, nachdem man die Verpflichtung übernommen hatte, rundum die Beemster einen Ringkanal zu bauen. Auch mußte ein Abflußkanal von Ursem durch Avenhorn und Oudendijk nach Lutje-Schardam angelegt werden und eine Schleuse im Meerdeich gebaut werden.Lambert Wijngaartsz. van Vollenhoven hatte die Eigentumsrechte des Sees. Zugunsten der Entwässerung sah er davon ab. Als Geste von Höflichkeit ernannte man ihn zum ersten Deichgraf. 

Verteilung des Landes

Man hatte viel Vertrauen in die Art und Weise wie die Arbeit angefaßt wurde, denn schon bevor die Mühlenflügel sich drehten, wurde das Land für NLG 27 pro Morgen verkauft. (Ein Morgen ist 8514 m2).  Neben den Oberdeichgenossen gab es auch andere, die Interesse hatten. Am 30. Juli 1612 wurde das Land in Parzellen von 20, 8, 5 und 2 Morgen unter 123 Teilnehmern verteilt. Im großen Saal von Schloss Purmersteyn zog Landmesser Lucas Sink mit bloßen Armen die Einschreibungen aus zwei Körben. In einem Korb befanden sich die Namen der Interessenten und im anderen Korb die Nummer der Parzellen. 

Um anzufangen : 16 Mühlen

Mit sechszehn Mühlen, 10 neue und 6 alte, meinte man, den Polder trocken­legen zu können. Das bedeutete sehr viel. Im Mai 1608 mußten die Obermühlen mahlen können, einen Monat später die Untermühlen. Vor Al­lerheiligen 1. November 1608 mußte der See entwässert sein. Die zwei Bauunternehmen verpflichteten sich, daß zwei ihrer neuer Mühlen genauso viel Wasser ausmahlen würden wie drei alte. Wenn dem nicht nachgekommen wurde, bekamen sie eine Geldbuße von NLG 6.000,-. 

Die Bauunternehmen hatten kein Glück, denn der Sommer von 1608 war ganz schlecht. Dadurch war der Ringdeich nicht rechtzeitig fertig. Die Oberdeich­genossen bezahlten die Fehlkalkulation und der Deichgraf van Vollenhoven schied aus. Es gab noch mehr Mißgeschick. Die Bauern und Fischer aus der Umgebung freuten sich nicht über die Trockenlegung und probierten die Arbeit zu sabotieren. 

Bau des Ringdeiches

Der Ringdeich wurde in 460 Teile eingeteilt und gebaut, variierend von vierzig bis hundert Meter. Man konnte folglich an vielen Stellen gleichzeitig beginnen. Es war sehr schwierig, die Beemster von den anderen Seen in der Umgebung abzuschließen. Bei Spijkerboor war ein Stromloch. Deshalb mußte der Boden gepfählt werden, um eine schwere Dammwand anzulegen. Die Pfähle sind noch immer da. Ende 1609 waren die höchst gelegenen Teile trocken.

 

Jan Adriaansz. Leeghwater

Leeghwater war ein genialer und erfinderischer Mann. Er hatte die Oberaufsicht über die Mühlen. Er brachte viele Verbesserungen an und machte viele kleinen Erfindungen, die praktisch anwendbar waren. Auf Wunsch von Dirck van Oss führte er Protokoll,nahm Messungen des Wassers und berechnete an Hand davon die Kapazität der Mühlen.   

 

Rückschläge

In Januar 1610 tobte ein heftiger Sturm, der zur Folge hatte, daß an ver­schiedenen Stellen die Seedeiche in Waterland (Wasserland) durchbrachen. Eine Flutwelle erreichte den neuen schwachen Beemsterdeich, der dann auch durchbrach. Die ganze Trockenlegung schien einen vollkommer Fehlschlag. Man sah acht Tonnen Geld in Brocken Moor und kaputten Mühlen auf den Wellen treiben. Viele Aktionäre zogen sich zurück, um noch größere Verluste vorzubeugen, aber die Oberdeichgenossen unter der Führung von Dirck van Oss gaben den Mut nicht auf. Eine kleine Million ärmer, aber eine Erfahrung reicher geworden, beschlossen sie den Deich höher und stärker zu machen, ohne Moor einzusetzen. Nach einer vorläufigen Dichtung des Deiches fingen die Mühlen in Juni nochmals an zu mahlen. Während der Entwässerung wurde an der Verstärkung des Deiches weiter gearbeitet. Im Jahre 1611 waren zum zweiten Mal die ersten Böden trocken. 

Keine 16 sondern 43 Mühlen 

Im Winter 1610-1611 war die Beemster zugefroren und die Landmesser verrichteten auf der Eisfläche nützliche Vermessungen. Wo es möglich war, begann man Wassergräben zu graben. Der Herbstregen überspülte das Land wiederum ganz, so daß der Kampf gegen das Wasser nochmals begonnen werden mußte.  Aber letzendlich siegte der Mensch..... Am 19. Mai 1612 war die Beemster ganz trocken. Der Gesamtselbstkostenpreis der  Eindeichung war fast 2 Millionen, ungefähr fünfzehn Mal soviel als man erwartet hatte.  

Zufrieden über den Erfolg der Trockenlegung luden die Oberdeichgenossen die Prinzen von Orange, Maurits und Frederik-Hendrik ein, um das neue Land zu besehen. Sie wurden am 4. Juli 1612 in einem Zelt empfangen, der Platz wo jetzt 'het Heerenhuis' steht. 

Tobias de Coene
Nach der Katastrophe im Jahre 1610 wurde Tobias de Coene, ein besonderes fähiger Mann, zum Deichgraf gewählt. Die Beemster mußte ein bewohnbarer Ort werden. Darum wurden die Rechte und Pflichten der Bevölkerung in einer Akte festgelegt. Bis 1618 hatte Tobias de Coene sich den Interessen der Beemster gewidmet. Hugo de Groot, ein berühmter niederländischer Jurist, schrieb einen Lobgesang bei seinem Tod.In der Kirche von Middenbeemster wurde eine marmorne Gedenktafel angebracht. Unter einer jetzt gebrochenen und abge­nutzten Grabplatte liegt sein Herz begraben. 

Dirck van Oss Junior 
Der Gründer der Beemster hat seinen Sieg über das Wasser noch drei Jahre überlebt. 1615 starb Dirck van Oss. Sein Sohn, Dirck van Oss Junior, wurde im Jahre 1618 zum Deichgraf eingesetzt. Fast 50 Jahre, bis 1666, ist er das geblieben. 

Das Leben im neuen Polder

Der Polder urbar machen, Wege bauen, Wassergräben verbreitern und austiefen, dauerte noch Jahre. Die Arbeiter, die daran arbeiteten, wohnten in Weilern, die aus hölzernen Schuppen bestanden. Die Erinnering hieran wird noch im Namen 'Hoornse Keet' bewahrt, ein ehemaliges Gasthaus an der Ecke des Middenweges und des Hobrederweges. Der fruchtbare Boden wurde dasselbe Jahr noch eingesät mit Raps. Die erste Ernte brachte soviel ein, daß alle Mühlen in der Umgebung ein Jahr lang mahlen konnten. Auch der Grasboden war sehr gut. Während schwerer Regenschauer gab es zu wenig Auffangmöglichkeit von Wasser. Da die Entwässerung nicht immer ausreichend war, standen im Winter Stücke Land unter Wasser. Aus diesem Grund wurde viel Ackerland umgewandelt in Grasboden.  

Rotbunte Kühe

Die Kuh ist für die Beemster immer die Verkörperung für Wohlstand gewesen. Das kommt auch im Gemeindewappen zum Ausdruck. Es besteht aus einem himmelblauen Feld auf dem eine rote Kuh beschienen von der Sonne abgebildet ist (blau-rot-gelb-grün). Früher grasten in der Beemster auch viele fette rote Ochsen, die für die Schlachtung bestimmt waren, um die holländische Handelsflotte mit hauptsächlich Pökelfleisch zu versehen. Durch die Rinderpest verloren viele Bauern ihren ganzen Viehbestand (bis zu zehnmal). Rotbuntes Vieh wurde langsam ersetzt durch schwarzbunt. 

Landhäuser und Lustgärten

Die Familie Van Oss ließ am Volgerweg ein großes Landhaus bauen und nannte es 'Zwaansvliet'. Viele Regenten und Kaufmänner aus den Städten folgten diesem Beispiel. Im Sommer waren nämlich die hygienischen Zustände in der Stadt besonders schlecht. Die meisten Landhäuser standen am Volgerweg und waren mit ihren Schneisen, Gärten und Gartenhäuschen eine Zierde für den Polder. Auch die weniger Reichen kamen in die Beemster.  Für sie war der vorderste Teil des Bauernhofs eingerichtet als Landhaus. Zwei Bauernhöfe mit Herrschaftsräumen sind 'De Eenhoorn' (Das Einhorn) und 'De Lepelaar' (Der Löffelreiher) am Middenweg.  Durch die vielen Kriege im 18. Jahrhundert und das Eintreffen der Franzosen verarmten der Kaufmannstand in Amsterdam. Sie waren nicht mehr fähig, das Landleben zu finanzieren. Anfang des 19. Jahrhundertes wurden die Landhäuser und Lustgärten abgebrochen. 

Die Wege 

Bei der Trockenlegung wurden die Wege für diese Zeit großzügig aufgesetzt. Sie sind noch genauso breit wie bei der Trockenlegung. Im Herbst und Winter waren die unbefestigten Wege fast unbefahrbar. Man konnte nur mit Pferd und Kahn reisen. Schon bald gab es eine feste Börtschiffahrt zwischen Purmerend und Middenbeemster. Der Ringdeich zwischen Purmerend und Oosthuizen wurde zum Treidelweg gemacht. Auf einem Treidelweg wurden Schiffe durch Pferde fortgezogen. Auf den meisten Polderwegen, wie zwischen Purmerend und Middenbeemster, entstanden Muschelpfade. Wo Häuser standen, kamen Bretterpfade. Die erste Straße wurde im Jahre 1849 angelegt. Diese lief von Purmerend nach Middenbeemster und von da nach Avenhorn und De Rijp. Nach 1850 wurden allmählich die anderen Wege befestigt. 

Die Straßenbahn (1895-1932) 

1895 wurde die Straßenbahnlinie Amsterdam-Purmerend- Alkmaar eröffnet, eine Schmallspurbahn. Die Wagen wurden von Dampflokomotiven gezogen. Die Fahrt Amsterdam-Purmerend dauerte eine Dreiviertelstunde und die Fahrt Amsterdam-Alkmaar zwei Stunden. Vom Bahnhof Purmerend (beim Treidelweg) fuhr die Dampfstraßenbahn über eine Zugbrücke nach Zuidoostbeemster. Diese Brücke wurde von einem Wächter mit einer Fahne und einem Sig­nalmast geschützt. Mit einer S-Kurve schlingerte die Bahn den Purmeren­derweg entlang nach unten. Die Bahn ging durch Middenbeemster den Rij­perweg entlang nach De Rijp und weiter nach Alkmaar. Wenn es Glatteis gab, konnte es geschehen, daß die Lokomotive nicht aus eigener Kraft den Deich aufsteigen konnte. Viele Male ging die Straßenbahn dann zurück, um einen Anlauf zu nehmen. Das war ein großes Schauspiel für die Anwohner. Wenn es nicht gelang, wurde die Passagiere und Zuschauer gebeten mitzuschieben. 

Die Kirche von Middenbeemster 

Für jeden hundert Morgen trockengelegtes Land gab es einen für die Kirche. Im Jahre 1618 fing man an, die Fundamente für die Kirche zu legen. Zug­leich wurde ein Friedhof gebaut. Nachdem die Staaten Subvention gewährt hatten, konnte 1622 mit dem Bau der Kirche begonnen werden. Hendrick de Keyser, der berühmte Architekt des Dampalais in Amsterdam, hat die Kirche entworfen. Am 30 Juli 1623 wurde die Kirche feierlich inauguriert. Jedes Jahr am Ende Juli gedenken die Beemsterlinge dieses Ereignisam Beemster Biddag (Beemster Bettag).

In 1624 zeigten sich ernsthafte Senkungen im Turm. Diese wurden mit großen Kosten behoben. Man beschloß, die Spitze noch nicht aufzustellen und zu warten bis den Boden fester wurde. 1661 wurde die achtseitige Spitze,unter der Leitung von dem ebenfalls bekannten Baumeister Pieter Post auf den Turm gestellt. In 1626 wurde an beiden Seiten des Turms ein Zimmer gebaut. Das Zimmer an den Südseite war das Konsistorialzimmer, das Zimmer an den Nordseite war für die Kirchenbesucher bestimmt. Momentan nennt man dieses Zimmer das Stövchenzimmer. Im Winter, bei schlechtem Wetter, konnten die Kirchenbesucher, die oft lang laufen mußten, sich wärmen am großen, schönen ge­fließten Kamin. Da im Herbst und Winter die Wege ungangbar waren, kamen die Kirchenbesucher über Kaie und Höfe zu 'De Buurt'. Die Männer hatten, wenn sie durch die Pfützen waten mußten, die Frauen auf ihrem Rücken. Viele hatten bei Einwohnern in Middenbeemster ein Gebetbuch, das Stövchen und saubere Kleider liegen.  

Stadtrat 

Die Beemster war bis zur französischen Zeit (1796) unter der Führung des Deichgrafes und der Oberdeichgenossen. Die Franzosen gründeten einen bürgerlichen Stadtrat. Anfangs traf sich dieser Stadtrat im Konsistorialzimmer der reformierten Kirche in Middenbeemster. Ab 1799 wurden im 'Heerenhuis' Trauungen vollgezogen. Das Heerenhuis wurde auch benutzt für Kommunal­versammlungen. Die gemeindlichen Abteilungen wurden ab 1923 in der Stadtverwaltung, dem ehemaligen Postamt, angesiedelt. Middenbeemster als Hauptkern, erhielt im Jahre 1993 ein wunderschönes Rathaus. 

Die Mühlen, die selbstverständlich abhängig waren von den Wetterverhältnissen, waren manchmal dennoch nicht imstande, die ganze Beemster gut trocken zu halten.  Am Ende des 19.Jahrhundertes wurden diese Mühlen von Dampfschöpfwerken ersetzt und später von Elektrizitäts-und Dieselschöpfwerken. Jetzt wir die Beemster entwässert durch zwei moderne Schöpfwerke.

Bauernhöfe

Die großen Landhäuser und Lustgärten sind verschwunden, aber zum Glück gibt es heute noch sehr viele schöne Haubargbauernhöfe. Nicht alle Bauernhöfe werden jedoch mehr durch Bauern bewohnt. Viele kapitalkräftige "nicht-Beemsterlinge" haben solch einen Bauernhof gekauft.Sie haben die Haubargbauernhöfe den Forderungen der modernen Zeit entsprechend renoviert, allerdings mit Blick für die Vergangenheit. Auf diese Weise können die Haubargbauernhöfe erhalten werden. 

Bekannte Einwohner der Beemster

Carel Fabritius (1622-1654) 

Er war der Sohn des ersten Schullehrers und Küsters der Beem- ster. Er war ei­ner der talentierten Schüler von

Rembrandt. Seine Arbeit basiert nicht wie bei Rembrandt auf Kontrast, sondern auf genaue Beobachtung von Lichtwerten. Er brachte auch Perspektive, Raum und Sphäre in seine Arbeit. Seine Gemälde hängen unter anderem im 'Rijksmuseum' (Reichsmuseum) in Am­sterdam und im 'Mauritshuis' in Den Haag. 1650 ging er nach Delft. 1652 trat er bei der Delfter Gilde. 1654 kam er bei einer Pulverexplosion ums Le­ben. Vermutlich ist diese Explosion die Ursache, daß von ihm wenige Arbeiten erhaltengeblieben sind. 

Betje Wolff (1738-1804) 

Im Jahre 1759 heiratete Elisabeth Bekker aus Vlissingen den dreißig Jahre älteren Pfarrer Wolff, der Pfarrer in der Beemster war. Das Pfarrhaus, in dem sie wohnte ist das heutige Museum 'Betje Wolff'. Im ganzen Land erfreute sie sich großer Bekanntheit als Schriftstellerin und Dichterin. Sie schrieb Romane, Novellen, Gedichte und Dorfskizzen. Nach dem Tod von Pfarrer Wolff im Jahre 1777 wohnte sie mit ihrer Freundin Aagje Deken(1741-1804) zuerst in De Rijp und später in Beverwijk zusammen. Gemeinsam schrieben siezwei Bücher in Briefform: 'Sara Burgerhart' und 'Willem Levend'. Man kann sagen, daß sie die ersten emanzipierten Schriftstel­lerinnen waren. 1787 kamen die Preußen in unser Land, um Willem V zu unterstützen. Betje und Aagje flohen nach Frankreich; sie waren nämlich Anhängerinnen der Gegenpartei, den Patrioten. 1795 floh Willem V nach England, als die Patrioten mit Hilfe von französischen Truppen die batavische Republik ausriefen. Betje und Aagje kamen dann zurück. Im Jahre 1804 starben sie, neun Tage nacheinander

Jacobus Bouman (1799-1877) 

Er war Viehhalter und was man heute ein Autodidakt nennt. Er diente der Gemeinschaft in vielen Funktionen. Er war Präsident/ Prälat, Oberdeichgenos­ser, Mitgründer und Vorstandsmitglied der holländischen Gesellschaft von Landwirtschaft. Zuletzt war er Mitgründer des 'Beemster Veefonds', der damals viele inländische und ausländische Institutionen als Beispiel diente und noch immer besteht. Er hatte Kontakte mit Gelehrten in unserem Land. Auch schrieb er Artikel in Zeitschriften über Landwirtschaft. Sein Buch 'Bedijking, opkomst en bloei' (Eindeichung, Entstehung und Blüte) hat sehr viel Information über die Trockenlegung der Beemster geliefert. 

Wouter Sluis (1827-1891)

Auch er war ein Viehhalter, aber mehr ein Praktiker, gerichtet auf Landwirt­schaft und Viehzucht. Er war ein ruheloser Sucher und Erprober neuer Me­thoden. Er führte den Gebrauch vieler neuer Geräte ein: Mähmaschine, Heuschüttler, Säh- und Dreschmaschine, Mistkarre usw. Besonders dank sei­nem Streben waren diese Hilfsmittel im Jahre 1880 schon allgemein in Ge­brauch. Er dachte eine Methode aus, wodurch man nur einmal pro Tag, (statt zweimal) käsen mußte. Um die Polderlasten zu senken, wurden auf seiner Initiative hin Straßenränder mit Obstbäume bepflanzt. Er setzte sich für die Gründung von Käsefabriken ein, Dampfentwässerung, Sumpfgas usw. Kurzum, er war ein praktischer Pionier.

Unesco Welterbegutliste

Die Beemster, die schon fast vor 400 Jahren als neugewonnenes Land in Gebrauch genommen ist, wird jetzt betrachtet als Beweis von Unternehmungsgeist und fachmännisches Können. Zur Zeit durchlaufen große Autobahnen die Landschaft. An der ursprünglichen Einteilung ist jedoch nichts verändert. Die Beemster ist ein Denkmal, in dem der Einfluß des Renaissance­zeitalters noch zu erkennen ist. Aus diesem Grund steht der Polder auf der Welterbegutliste von Unesco.